RoBoPub

Ziel des interdisziplinären RoBoPub-Verbundvorhabens ist es, die notwendige Wissensbasis über die Epidemiologie von zwei durch Nagetiere übertragene Zoonoseerreger, Hantaviren und Leptospiren, zu schaffen und die gewonnenen Erkenntnisse in Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) umzusetzen.

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OneHealth-basierte Verbesserung der Öffentlichen Gesundheit durch ein besseres Verständnis der Epidemiologie nagetierübertragener Krankheiten

Hantaviren und Leptospiren sollen im Verbundvorhaben parallel untersucht werden, weil es für beide Erreger Ähnlichkeiten bei Reservoiren, Übertragungswegen und den von ihnen ausgelösten Erkrankungen und ihrer Symptomatik gibt. Weitere Parallelitäten zeigen sich bei der Saisonalität ihres Auftretens, der Seroprävalenz in Risikogruppen und dem Underreporting sowie der Awareness der niedergelassenen Ärzte. Dies lässt eine große Zahl von Synergien bei einer gemeinsamen Bearbeitung und bei den daraus abgeleiteten Präventionsmaßnahmen erwarten. Im Rahmen dieser synergistischen OneHealth-Initiative sollen die Erreger-, Nagetier-, und Umwelt-bezogenen Aspekte der Erregerübertragung sowie die Manifestation und Diagnose der humanen Erkrankung untersucht werden. Ebenfalls betrachtet werden die Bedeutung von Risikofaktoren, soziale Aspekte der Sensibilisierung und Risikowahrnehmung der Bevölkerung sowie der niedergelassenen Ärzte. Endziel ist die Überführung der Erkenntnisse in die Erarbeitung einer Risikobewertung sowie die Entwicklung von Gefahrenkarten, Frühwarnmodulen, Risikomanagementplänen und Gesundheitsempfehlungen und deren Dissemination an die Bevölkerung und besonders betroffene Personengruppen unter Einbeziehung des öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie der Veterinär- und Humanmedizin.

Ziel 1:  Räumliche Verteilung und zeitliche Schwankungen von Puumala-Hantavirus (PUUV) in Rötelmauspopulationen und Leptospira kirschneri in Feld- und Rötelmauspopulationen.

Ziel 2:  Tenazität, Virulenz und Wirtsadaptation von PUUV und Leptospira spp.

Ziel 3:  PUUV- und Leptospira-Seroprävalenz in verschiedenen menschlichen Kohorten, sowie deren Assoziation mit Risikofaktoren.

Ziel 4:  Identifizierung ökologischer Faktoren und Modelle für die Erreger-prävalenz/-inzidenz.

Ziel 5:  Sensibilisierung niedergelassener Ärzte und Risikowahrnehmung in Risikogruppen und in der Allgemeinbevölkerung.

Ziel 6:  OneHealth-Ansatz: Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse zur Epidemiologie der Erreger in Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Arbeitsschwerpunkte

Die Bearbeitung gliedert sich in folgende Arbeitsschwerpunkte (AS):

AS1 Erreger-Geografie

Im AS1 soll die Kartierung der gegenwärtigen Verbreitung und die Beurteilung einer potentiellen weiteren Ausbreitung von PUUV in den Rötelmauspopulationen der westlichen genetischen Linie durch die Untersuchung von Rötelmäusen entlang von Transekten durch Niedersachsen/Nordrhein-Westfalen und durch Thüringen erfolgen. Des Weiteren soll die geographische Verbreitung von Leptospira kirschneri in Feldmäusen verschiedener Orte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen untersucht werden.

AS2 Stabilität und Wirtsassoziation

Für beide Erreger sollen Studien zur Stabilität von Stämmen/Isolaten und Proben aus der Umwelt sowie zur experimentellen Virulenzidentifikation und Studien zur Empfänglichkeit von Zelllinien unterschiedlicher genetischer Rötelmauslinien für PUUV durchgeführt werden.

AS3 Epidemiologie

Die Reservoir- und Erregerstudien im Rahmen von AS1 und AS2 werden von Studien zur Prävalenz von PUUV (und möglicherweise anderer Hantaviren) und Leptospira in der Allgemeinbevölkerung und in Risikogruppen, also Forstarbeitern und Erdbeerpflückern, flankiert. Neben der Untersuchung der Seroprävalenzen steht bei diesen Studien die Assoziation des Serostatus mit Risikofaktoren sowie mit der Kenntnis und Anwendung von Präventionsmaßnahmen im Vordergrund. Außerdem sollen Informationen über den Anteil asymptomatischer sowie möglicherweise symptomatischer, aber nicht korrekt diagnostizierter Erkrankungen erhoben werden.

AS4 Modelle und Wirtsdynamik

Im AS4 sollen die Ergebnisse von Feld- und in-vitro-Studien in ein Frühwarnmodell für Ausbrüche in Rötelmaus- bzw. Feldmauspopulationen umgesetzt und Frühwarnmodule für das gehäufte Auftreten von humanen PUUV- und Leptospiren-Infektionen entwickelt werden.

AS5 Risikowahrnehmung und Sensibilisierung

Die Vorhersagekraft umfassender Modellierungsansätze verbessert sich zunehmend. Sie können daher genutzt werden, um zukünftige Endemiegebiete zu identifizieren. In diesen neuen und neu entstehenden Gebieten für Hantaviruserkrankungen und Leptospirose-Erkrankungen werden basierend auf Leitfäden Experteninterviews mit Allgemeinmedizinern, öffentlichen Gesundheitsdiensten und Interessengruppen geführt. Fokusgruppendiskussionen mit der Allgemeinbevölkerung werden in bereits bestehenden sowie neuen Endemiegebieten durchgeführt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse werden geeignete Risikokommunikationsstrategien für Bevölkerung und niedergelassene Ärzte entwickelt.

AS6 Public Health-Translation

AS6 überträgt die Ergebnisse aller anderen AS in Risikokarten, Frühwarnmodule und einen Risikomanagementplan für den ÖGD auf lokaler, Landes- und Bundesebene. Im Rahmen der dreijährigen Förderdauer werden die Prototypen für Risikokarten und Frühwarnmodule erstellt sowie das Konzept für den Plan. Über die gesamte Projektdauer wird mit allen Teilvorhaben interagiert, um die gewonnenen Erkenntnisse unter Einbindung des ÖGD angemessen und zeitnah an Entscheidungsträger, Interessengruppen, Risikogruppen, niedergelassene Ärzte und die Allgemeinbevölkerung zu kommunizieren.

Koordination

PD Dr. Rainer G. Ulrich

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger, Greifswald - Insel Riems

 E-Mail: rainer.ulrich(at)fli.de

Telefon: +49 (0) 3835 17 1159

 

Dr. Johannes Dreesman

Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA), Roesebeckstrasse 4-6, 30449 Hannover

E-Mail: johannes.dreesman(at)nlga.niedersachsen.de

Telefon: +49 (0) 511 4505 200

Kooperationen im Rahmen des Verbundes

Die Bearbeitung der einzelnen Arbeitsschwerpunkte erfolgt in enger Zusammenarbeit der verschiedenen Teilvorhaben.

Liste der Teilprojektleiter*innen

TV1     Rainer G. Ulrich, Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)

TV2     Anne Mayer-Scholl, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

TV3     Jens Jacob, Julius Kühn-Institut (JKI)

TV4     Martin Runge, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES)

TV5     Sabrina Weiß, Universitätsmedizin Charité Campus Mitte (CCM) und Prof. Jörg Hofmann, Nationales Konsiliarlaboratorium für Hantaviren

TV6     Martin Pfeffer, Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen, Universität Leipzig (UL)

TV7     Kerstin Dressel, Süddeutsches Institut für empirische Sozialforschung (SINE)

TV8     Johannes Dreesman, Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA) 

Kooperationen über den Verbund hinaus

Zwei vom Forschungsnetz Zoonotische Infektionskrankheiten geförderte ÖGD-Projekte in Baden-Württemberg stehen in engem Kontakt mit dem RoBoPub-Konsortium und sollen von den Hantavirus-Gruppen im RoBoPub-Verbund unterstützt werden.

Ein Vernetzungsprojekt zwischen dem RoBoPub-Verbund und den Verbünden ZooBoCo, Q-Gaps und TBENAGER soll eine synergistische Bearbeitung aller gesammelten Kleinsäugerproben ermöglichen und somit eine über die einzelnen Verbünde hinausgehende Auswertung der Verbreitung der einzelnen Zoonoseerreger ermöglichen.

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