Nachweis von Hantaviren in Umweltproben zur Identifikation von Expositionsorten für humane Hantavirus-Erkrankungen

Zuwendungsempfänger: Dr. Stefan Brockmann

Institution: Landkreis Reutlingen

Förderzeitraum: 1.12.2018 - 30.11.2021

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Kurzbeschreibung

Das ENV-HANTA Projekt zielt auf den Nachweis von Hantaviren aus Umweltproben in der unmittelbaren Umgebung von Haushalten vormals erkrankter Personen in Hoch-Endemiegebieten für Hantaviren. Die Ergebnisse werden verwendet um bestehende Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen spezifischer zu gestalten.

Mit dem Projekt wird anwendungsorientierte Forschung zur Vorbeugung und Bekämpfung von zoonotischen Infektionskrankheiten gefördert. Acht lokale Gesundheitsämter Baden-Württembergs arbeiten mit dem Landesgesundheitsamt, der Universität Tübingen, einem faunistischen Gutachterbüro und dem Friedrich-Loeffler Institut zusammen. Das Projekt leistet einen konkreten Beitrag zur Bekämpfung Nagetier-assoziierter Erkrankungen und folgt dem „One Health“ Ansatz.

Die Ergebnisse des Projektes sollen ermöglichen, Kenntnisse über das tatsächliche Vorkommen von Hantaviren in/um Haushalte in Endemiegebieten als mögliche Infektionsquelle zu erlangen.

Mit den Ergebnissen besteht die Möglichkeit eine Spezifizierung der Empfehlungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes an die Bevölkerung zu erreichen; z.B. bei welchen Tätigkeiten welche Schutzmaßnahmen durchgeführt werden sollen. Damit kann eine Reduktion der Krankheitslast erfolgen.

Das Projekt wird für drei Jahre gefördert (Beginn: Dezember 2018).

Hintergrund

Puumala Hantavirus (PUUV) (Familie Bunyaviridae) ist eine Zoonose mit zunehmender Bedeutung in Public Health in Europa. In Deutschland gehören Hantaviren für die Surveillance und epidemiologische Forschung zu den prioritären Krankheitserregern. PUUV kommt in Rötelmäusen vor; eine in bestimmten Jahren erhöhte Populationsdichte dieser Nager ist mit menschlichen Hantavirus-Epidemien assoziiert. Rötelmäuse scheiden die Viren mit ihren Exkretionen aus. Die Übertragung auf Menschen erfolgt hauptsächlich durch die Inhalation virushaltiger Aerosole. Bei Menschen kann die Infektion in einer nephrologischen Hantavirus-Erkrankung resultieren. Neuere Studien legen nahe, dass diese Erkrankung zu chronischen Folgebeschwerden führen kann. In Deutschland werden mehr als 50% der humanen PUUV Fälle aus Baden-Württemberg gemeldet. In den letzten 17 Jahren wurden drei große Epidemien von jeweils mehr als 1.000 Fällen berichtet.

Damit humane Hanta-Virus-Erkrankungen möglichst effizient verhindert werden können, muss bekannt sein, an welchen Orten und bei welchen Tätigkeiten sich Menschen infizieren. Dieser Punkt soll im vorliegenden Projekt geklärt werden. Insbesondere sollen Hinweise aus Fall-Kontrollstudien durch Erreger-Nachweise aus Umweltproben überprüft werden, um den für eine Übertragung relevanten Aufenthalt an bestimmten Orten oder dort ausgeführte Tätigkeiten zu identifizieren.

Eine Literaturrecherche in einer wissenschaftlichen Online-Zitations-und Literaturdatenbank (Web of Science) ergab, dass es kaum wissenschaftliche Studien gibt, die sich mit der Überlebensfähigkeit von Hantaviren in der Umwelt befassen. Studien über Erkenntnisse zum Vorhandensein von PUUV an möglichen Infektionsorten gibt es bisher nicht. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hat in seinem "Technical Report - Prevention measures and communication strategies for hantavirus infection in Europe" festgestellt, dass die bisher in 29 EU Mitgliedsstaaten angewandten Präventionsmaßnahmen kaum evidenz-basiert sind und ihr Impact bisher nicht ausreichend bewertet ist. Das ENV-HANTA Projekt könnte durch den Nachweis in Umweltproben an definierten Stellen im häuslichen Umfeld einen wichtigen Baustein zur Klärung dieser Fragen beitragen.

Um die Ergebnisse der Umweltproben zu ergänzen, werden in an den Untersuchungsstellen zusätzliche Nager gefangen und auf Hantaviren untersucht. Die Erkenntnisse aus dem Projekt können ermöglichen, Interventionsmaßnahmen, die zwar generell empfohlen sind (z.B. das Tragen von Schutzmasken), genauer zu spezifizieren und zielgerichteter einzusetzen.

Auszug aus der Literaturliste der Antragsteller zu Hantavirus- Erkrankungen

  • S.O. Brockmann, M Schwehm, C Wagner-Wiening, G Kändler, M Eichner. Forecasting the incidence of human Puumala virus cases in South West Germany.2015. European Scientific Conference in Applied Infectious Diseases Epidemiology( ESCAIDE) Nov 7th Stockholm, Sweden
  • Latus J, Schwab M, Tacconelli E, Pieper FM, Wegener D, Dippon J, Müller S, Zakim D, Segerer S, Kitterer D, Priwitzer M, Mezger B, Walter-Frank B, Corea A, Wiedenmann A, Brockmann S, Pöhlmann C, Alscher MD, Braun N. Clinical course and long-term outcome of hantavirus-associated nephropathia epidemica, Germany. Emerg Infect Dis. 2015 Jan;21(1):76-83. doi: 10.3201/eid2101.140861.
  • Latus J, Schwab M, Tacconelli E, Pieper FM, Wegener D, Rettenmaier B, Schwab A, Hoffmann L, Dippon J, Müller S, Fritz P, Zakim D, Segerer S, Kitterer D, Kimmel M, Gußmann K, Priwitzer M, Mezger B, Walter-Frank B, Corea A, Wiedenmann A, Brockmann S, Pöhlmann C, Alscher MD, Braun N. Acute kidney injury and tools for risk-stratification in 456 patients with hantavirus-induced nephropathia epidemica. Nephrol Dial Transplant. 2015 Feb;30(2):245-51. doi: 10.1093/ndt/gfu319. Epub 2014 Oct 13.
  • Faber MS, Ulrich RG, Frank C, Brockmann SO, Pfaff GM, Jacob J, Krüger DH, Stark K. Steep rise in notified hantavirus infections in Germany, April 2010. Euro Surveill. 2010 May 20;15(20). pii: 19574. PubMed PMID: 20504391.
  • Schwarz AC, Ranft U, Piechotowski I, Childs JE, Brockmann SO.Risk factors for human infection with Puumala virus, southwestern Germany. Emerg Infect Dis. 2009 Jul;15(7):1032-9. doi: 10.3201/eid1507.081413. PubMed PMID: 19624917; PubMed Central PMCID: PMC2744254.
  • Winter CH, Brockmann SO, Piechotowski I, Alpers K, an der Heiden M, Koch J, Stark K, Pfaff G. Survey and case-control study during epidemics of Puumala virus infection. Epidemiol Infect. 2009 Oct;137(10):1479-85. doi: 10.1017/S0950268809002271. Epub 2009 Mar 17. PubMed PMID: 19288958.
  • Piechotowski I, Brockmann SO, Schwarz C, Winter CH, Ranft U, Pfaff G. Emergence of hantavirus in South Germany: rodents, climate and human infections. Parasitol Res. 2008 Dec;103 Suppl 1:S131-7. doi: 10.1007/s00436-008-1055-8. Epub 2008 Nov 23. PubMed PMID: 19030895.
  • Koch J, Brockmann SO, Winter C, Kimmig P, Stark K. Significant increase of hantavirus infections in Germany since the beginning of 2007. Euro Surveill. 2007 May 3;12(5):E070503.1. PubMed PMID: 17868605.
  • Kimmig P, Silva-González R, Backe H, Brockmann S, Oehme R, Ernst E, Mackenstedt U. Epidemiology of hantaviruses in Baden-Wurttemberg. Gesundheitswesen. 2001 Feb;63(2):107-12. German. PubMed PMID: 11285748.