Bedeutung von Konsumeiern hinsichtlich der Übertragung thermophiler Campylobacter spp. auf den Menschen

Zuwendungsempfängerin: Dr. Ute Messelhäußer

Institution: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Förderzeitraum: 1.1.2019 - 31.12.2021

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Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft wird der überwiegende Anteil humaner Campylobacter-Erkrankungsfälle durch den Verzehr bzw. den Umgang mit Geflügelfleisch ausgelöst. Inwieweit auch Konsumeier bei der Übertragung auf den Menschen eine Rolle spielen, ist noch unklar und soll durch dieses Projekt näher beleuchtet werden.

Kurzbeschreibung

Abb. 1: Eierhütten – immer häufigere Verkaufsstelle von Konsumeiern (Quelle: Landratsamt Weilheim-Schongau – Jens Lewitzki)

Thermophile Campylobacter spp. zählen derzeit zu den wichtigsten lebensmittelübertragenen Zoonoseerregern. Neben Wiederkäuern ist das Hauptreservoir dieses Erregers das (Haus-) Geflügel. Derzeit geht man davon aus, dass der überwiegende Anteil der humanen Erkrankungsfälle auf den Verzehr von nicht vollständig durchgegartem Geflügelfleisch oder auf Kreuzkontamination bei der Verwendung von rohem Geflügelfleisch im Haushalt zurückzuführen ist. Inwieweit auch Konsumeier (Eier der Handelsklasse A) bei der Übertragung des Erregers auf den Menschen eine Rolle spielen (Übertragung über den Verzehr roheihaltiger Speisen bzw. Kreuzkontamination) ist derzeit noch wenig bekannt. Um das Risiko, das von einer Kontamination von Eiern der Handelsklasse A mit thermophilen Campylobacter spp. ausgeht, näher zu charakterisieren und anschließend, sofern sich Hinweise auf eine Relevanz von Eiern hinsichtlich der Übertragung thermophiler Campylobacter spp. auf den Menschen ergeben, entsprechende Reduktionsstrategien entwickeln zu können, soll im Rahmen des Projektes den nachfolgenden Fragestellungen nachgegangen werden:

  • Von welchen Faktoren hängt die Überlebensfähigkeit thermophiler Campylobacter spp.auf Eiern ab
  • Inwieweit besteht auch die Möglichkeit eines Überlebens thermophiler Campylobacter spp. in Eiern, wozu bisher nur wenige, teilweise widersprüchliche Studienergebnisse existieren?
  • Inwieweit kann eine mögliche Korrelation zwischen dem Verzehr von Eiern bzw. dem Umgang mit rohen Eiern und humanen Campylobacteriosen sowohl im Rahmen epidemiologischer als auch molekularbiologischer Studien festgestellt werden?
  • Welche Möglichkeiten der Reduktion des Eintrags thermophiler Campylobacter spp. über die Lebensmittelkette „Ei“ sind in Praxis insbesondere in bäuerlichen Haltungssystemen umsetzbar?

Der Arbeitsplan des Projektes gliedert sich in drei Arbeitspakete:

Arbeitspaket 1

Arbeitspaket 1 beschäftigt sich mit der Überlebensfähigkeit thermophiler
Campylobacter spp. auf/in Eiern unter handels- und haushaltsüblichen
Umweltbedingungen (z. B. Lagerung bei unterschiedlichen Temperaturen,
Verlauf bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums) im ersten Schritt
mittels künstlich kontaminiertem Material und im zweiten Schritt mittels
natürlich kontaminiertem Material (Einsatz kultureller Verfahren in
Kombination mit molekularbiologischen Nachweisverfahren).

Arbeitspaket 2

Das Arbeitspaket 2 soll die Korrelation zwischen dem Verzehr von Eiern
bzw. dem Umgang mit rohen Eiern und humanen Campylobacteriosen
(Epidemiologie) ermitteln. Dies erfolgt zum einen durch Patientenbefragung
humaner Campylobacteriosefälle mittels eines standardisierten
Fragebogens zu den jeweiligen Verzehrgewohnheiten unter besonderer
Berücksichtigung von Eiern und roheihaltigen Speisen (klassische
Epidemiologie) und zum anderen durch die Gewinnung humaner
Campylobacter-Isolate (symptomlose Ausscheider und Erkrankungsfälle)
und den Vergleich humaner, veterinärmedizinischer und
lebensmittelassoziierter Campylobacter-Isolate mittels
molekularbiologischer Verfahren, z. B. PFGE, MLST, NGS (Molekulare
Epidemiologie).

Arbeitspaket 3

In Arbeitspaket 3 sollen mögliche Reduktionsmaßnahmen zum Eintrag
thermophiler Campylobacter spp. über die Lebensmittelkette „Ei“ unter
Berücksichtigung der praktischen Umsetzbarkeit insbesondere in
bäuerlichen Haltungssystemen erarbeitet werden.

Ergebnisverwertung

Es ist geplant, die Ergebnisse im Rahmen zweier Dissertationsvorhaben zu nutzen und zu veröffentlichen (u. a. Vorstellung der Ergebnisse auf Fachtagungen und Veröffentlichung in peer-reviewed Journals). Des Weiteren sollen die Ergebnisse, insbesondere die Erarbeitung von Reduktionsmaßnahmen in bäuerlichen Haltungsbetrieben, in Leitfäden sowohl für die Landwirtschaft als auch die amtliche Lebensmittelüberwachung münden, so dass mögliche Reduktionsmaßnahmen auch in der Fläche im Rahmen der Primärproduktion umgesetzt werden können.

Kooperationspartner

- Abteilung Landesinstitut Planung und Lenkung Lebensmittelsicherheit, Sachbereich Fachgruppe Zoonosen, Krisen- und Ereignisfall-Management

- Abteilung Landesinstitut für Lebensmittel, Lebensmittelhygiene und kosmetische Mittel, Sachbereich Lebensmittelhygiene Süd

- Abteilung Landesinstitut für Gesundheit (Sachgebiet für Hygiene / Sachbereich Infektionsepidemiologie / Sachbereich Bakteriologie und Mykologie )